Alfred Edmund Brehm

 

       

Lebenslauf in Worten


Alfred Edmund Brehm wurde am 2. Februar 1829 in Unter-Renthendorf im Saale-Holzland-Kreis als zweites von sieben Kindern geboren. Pastor Brehm war nicht nur ein guter Familienvater und beliebter Seelsorger, sondern auch ein großer Vogelliebhaber. Schon früh zeigte er seinem Sohn die Schönheiten der heimischen Vogelwelt und öffnete ihm die Augen für die Faszination der gefiederten Tiere. Er nahm Alfred mit auf die Jagd und zeigte ihm, wie man die geschossenen Vögel abbalgen und präparieren muss.

1844, nach dem Schulabschluss, sollte Alfred Architektur studieren. Dazu musste er zuerst das Maurerhandwerk lernen. Schon bald kam für Alfred, neben der täglichen Arbeit auf dem Bau, eine weitere Beschäftigung hinzu, das Zeichnen. Zusätzlich wurde Alfred auf die Kunst- und Handwerkschule geschickt. Als Alfred zwei Jahre später mit der Lehre fertig war, stand ihm der Weg zur Universität offen. Er wäre mit Sicherheit ein guter Architekt geworden, wenn nicht 1847, von dem schwäbischen Baron von Müller, einem  Bekannten des Vaters, das verlockende Angebot gekommen wäre, Alfred als Sekretär und Präparator zu einer Forschungsexpedition nach Afrika mitzunehmen. Eine Reise in den fernen Süden war für den jungen Brehm viel reizvoller als  das Studium. Bei den Eltern stieß der Vorschlag des Barons auf wenig Begeisterung. Doch die Aussicht, durch Alfred an seltene Exemplare der afrikanischen Vogelwelt zu gelangen, überzeugte Vater Brehm, den Sohn ziehen zu lassen.

Anfangs schlossen sich Brehm und der Baron katholischen Missionaren an, später erkundeten sie Nordafrika auf eigene Faust. Hinter Khartum, der sudanesischen Hauptstadt, begann für sie ein monatelanger Ritt auf Kamelen durch Wüste und Savannen. Dabei lernten der Baron und Brehm nicht nur Gazellen, Hyänen, Marabus und Strauße kennen, sondern auch giftige Skorpione, dornige Savannengräser und Fata Morganen. Brehm holte sich zudem eine Malaria, die ihn fast das Leben kostete.  Mit der Zeit fand Alfred Brehm die Jagd und das Sammeln von Präparaten nicht mehr ausreichend, um das Leben der Tiere zu verstehen. Er beschloss, verschiedene Tiere selbst zu halten. Mit der Zeit kam es oft zu Differenzen zwischen dem jungen Brehm und dem Baron über die Verteilung der Arbeit. Sie trennten sich und Alfred Brehm kehrte 1851 nach Deutschland zurück.

Von seiner Reise nach Afrika brachte der 23jährige Brehm im Jahre 1852 neben 1.500 ausgestopften Vögeln zahlreiche erlegte Säugetiere mit. Zu seinen Mitbringseln gehörten aber auch eine zahme Löwin, ein Leopard, ein Gepard, zwei Strauße, zwei Kronenkraniche, ein Adler, drei Pelikane und neun Affen, die für eine Summe von 1.800 Talern an den Berliner Zoologischen Garten gingen. In Jena begann er ein Zoologiestudium. Die dreibändigen Reisenotizen wurden ihm nach nur vier Semestern und unter Berücksichtigung seines fünfjährigen „Auslandsstudiums“ als Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades in den Naturwissenschaften 1855 anerkannt. 

Nach dem Abschluss des Studiums unternahm er mit seinem Bruder Reinhold eine mehrmonatige Expedition zur Erforschung der Tierwelt auf der iberischen Halbinsel. Finanziert wurde die Reise der Brüder durch selbst gefertigte Aktien – jeder Aktionär durfte sich später einen Anteil an Jagdtrophäen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen aussuchen.

Nach seiner Rückkehr ließ sich Brehm 1858 in Leipzig nieder. Doch anstatt eine akademische Laufbahn einzuschlagen, was dem mittlerweile bekannten und anerkannten Zoologen leicht möglich gewesen wäre, entschied er sich für das Dasein als freier Schriftsteller. Er publizierte seine Atrtikel in einigen Zeitschriften und die "Gartenlaube" entwickelte sich unter seiner Mitarbeit zum führenden deutschen Familienblatt. Die spärlichen Honorare waren für das sparsame Leben eines Junggesellen ausreichend.

1860, finanziert vom Verleger der „Gartenlaube“, brach Brehm nach Skandinavien auf. Die einjährige Reise führte ihn in die Berge Norwegens und nach Lappland, er lernte die Tundra kennen und reiste bis zum Nordkap. Im Jahr 1861 wurde sein Buch „Das Leben der Vögel“ veröffentlicht. Brehm legte die Eigenarten der Vögel in Abhängigkeit von ihrem Lebensraum dar. Darüber hinaus widmete er ein ganzes Kapitel den kulturhistorischen Aspekten der Vögel und befasste sich mit ihrer poetischen, symbolischen und mythologischen Bedeutung. Diese Weise stieß aber sowohl bei Wissenschaftlern seiner Zeit wie auch später auf Kritik. Als „Das Leben der Vögel“ erschien, war der Vertrag über ein sechsbändiges Werk unter dem Titel „Illustriertes Thierleben“ bereits unterschrieben. Brehm möchte darin seinen bereits lange gehegten Plan in die Tat umsetzen und das Leben der Tiere in seiner Gesamtheit beschreiben.  

Da Brehm eine Familie gründen wollte, nahm er eine Stelle als Geographie- und Naturkundelehrer an der Höheren Töchterschule * in Leipzig an. Die Hochzeit 1861 mit seiner elf Jahre jüngeren Cousine Mathilde Reiz brachte eine warmherzige junge Frau in sein Leben. Da ihn die Lehrtätigkeit nicht auszufüllen vermochte, kam ihm 1862 das Angebot des Herzogs Ernst II. von Sachsen-Coburg-Gotha  sehr gelegen, diesen auf eine Jagdexpedition nach Ägypten und dem Bogosgebiet * zu begleiten. Doch schon Mitte des Jahres musste er mit seiner Frau nach Deutschland zurückkehren, denn beide litten an heftigen Fieberanfällen.

Kurz darauf bekam Brehm den Direktorenposten des Zoologischen Gartens in Hamburg angeboten. Voll Tatendrang und mit innovativen Ideen ging der junge Direktor an eine Umgestaltung des Tierparks. In kurzer Zeit gelang es ihm, den Zoo zu Weltruhm zu bringen. Er modernisierte die Gehege, erweiterte die Anlagen und erwarb neue Tiere. Sein Versuch, den Zoo durch einen eigenen internationalen Tierhandel um weitere seltene Lebewesen zu bereichern, scheiterte am erfolgreichen Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck *, der sich in diesem Geschäft besser auskannte und 1907 seinen eigenen Tierpark gründete. Der Verwaltungsrat des Zoos kündigte ihm, aber bald darauf bekam Brehm die Leitung des geplanten Berliner Aquariums angeboten, welches 1869 eröffnet werden sollte. Fünf Jahre hatte Brehm die Leitung inne.

Unter seiner Leitung entstand ein weiträumiges, zweistöckiges Gebäude mit einer Meerwasseraufbereitungsanlage im Keller, künstlichen Gewölben und Nischen, einem eigenen Vogelhaus, einer „Geologischen Grotte“, 300 Meter langen Gängen und einem Restaurant. Auf 3.600 Quadratmeter Fläche fanden 118 Käfige, Becken und Terrarien Platz, in denen 12.000 Tiere untergebracht  waren. Brehm plante, die Zahl auf 40.000 Exemplare zu erhöhen. Es entstand eine zoologische Anlage, die für die damaligen Verhältnisse vorbildlich war, und deren Erfolg durch das rege Interesse der Besucher bestätigt wurde. Nach der Eröffnung im Jahre 1869 kamen jährlich etwa 250.000 Gäste ins Berliner Aquarium. Doch auch hier musste Brehm sein Amt niederlegen. Den Unterhalt für seine Familie wollte er in Zukunft mit Vortragsreisen und als freier Schriftsteller bestreiten.

Die Vielzahl seiner Erlebnisse verarbeitete Brehm in zahlreichen Aufsätzen. Darin vermittelte er dem Leser die von ihm empfundene starke Freude an der Natur und Liebe zu den Tieren. Brehm wollte sein Buch für ein breites Publikum schreiben, ohne überflüssigen wissenschaftlichen Ballast und maximal anschaulich. So war das "Tierleben" der erste Versuch, naturwissenschaftliche Kenntnisse einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Das Buch wurde zu einem internationalen Erfolg. Übersetzt in alle Weltsprachen, findet es als „der Brehm“ in nahezu jedem Haushalt seinen Platz. In der ersten Auflage des „Tierlebens“ gab es auf 5.500 Seiten bereits 1.500 Bildtafeln, die die beschreibenden Texte ergänzten und dem Leser so eine wirkliche Vorstellung vom Leben der Wüstenfüchse im Sinai, den Rentieren in der Tundra oder Webervögeln im afrikanischen Urwald  gaben. Von den sechs Bänden der Erstausgabe des „Tierlebens“ waren zwei Bände den Säugetieren gewidmet, Band drei und vier den Vögeln, der fünfte den Kriechtieren, Lurchen und Fischen. Band sechs deckte die Wirbellosen ab. Es war der einzige Band, den Brehm nicht selber schrieb. Er wurde von dem Entomologen E. L. Taschenberg und Brehms einstigem Lehrer Oskar Schmidt verfasst.

Anfang der 1870er Jahre plante der Bremer Verein für die Nordpolarfahrt eine Expedition nach Westsibirien. Sie sollte die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland beleben. Offiziell galt die Reise geographischen, zoologischen und botanischen Erkenntnissen. Der Leiter der Expedition war Otto Finsch *, Direktor des Naturhistorischen Museums in Bremen, ein langjähriger Freund Alfred Brehms, dem er die Teilnahme an der Reise anbot. Brehm stimmte gerne zu. Gemeinsam mit dem Botaniker und Kartographen Graf Karl Waldburg-Zeil-Trauchburg * brach man 1876 von Berlin in Richtung St. Petersburg auf.  Ziel der Expedition war die Ob-Mündung am Karischen Meerbusen. Doch anstatt sich in Westsibirien dem Ob gen Norden zu wenden, entschloss sich die Reisegruppe eigenmächtig zu einem Abstecher an die russisch-chinesische Grenze, ein Umweg von knapp 5.000 Kilometern. Mit dem Wohlwollen des Kaisers Wilhelm I. und des Zaren Alexander II. erhielten die Reisenden in Russland jegliche Unterstützung. Der ergiebigste Streckenabschnitt für die Forscher war der Weg von Tjumen über Jekaterinburg nach Semipalatinsk.

Aus Zeitgründen trat man Anfang August die Rückreise an – mit 150 erlegten Säugetieren, 550 Vögeln, 150 Reptilien, 1.000 Insekten und zahlreichen Handstücken von Felsen im Gepäck. Brehms Tagebücher, die seine Sibirienreise dokumentierten, wurden durch die nahezu täglichen Berichte an seine Frau ergänzt. Er schickte sie ihr auf Postkarten, die er stenographisch beschrieb, um möglichst viele Informationen unterzubekommen. 1876 erschienen die ersten Berichte aus Westsibirien in der „St.Petersburger Zeitung“, in der „Wiener Neuen Presse“, der „Schlesischen Presse“ und in der „Kölnischen Zeitung“. Eine Veröffentlichung als eigenes Buch kam aber nicht zustande. Dagegen berichtete Brehm später vor Publikum von dieser Reise. Die Geschichten vom Leben der Kirgisen in Sibirien gehörten zu den beliebtesten seiner Vorträge. Es gibt eine interessante Tatsache: Der berühmte russische Paläontologe Wladimir Kowalewski hat Brehms “Thierleben” ins Russische übersetzt.  Zwei Reisen mit dem österreichischen Kronprinzen Rudolf in das Donaudelta und nach Spanien schlossen sich in den folgenden Jahren an.

1883 unterschrieb Brehm den Vertrag für eine Vortragsreise durch die USA. Die letzten Jahre waren für Brehm von Schicksalsschlägen geprägt. 1878 starb seine Frau Mathilde mit nur 38 Jahren. 1884 ereilte ihn die Nachricht, dass sein jüngster Sohn gestorben sei. Sein Manager zwang ihn aber die 50 vereinbarten Vorträge zu halten. Vom Schicksal und harter Arbeit gezeichnet, kehrte Alfred Brehm von seiner Reise nach Deutschland zurück. Mitte des Jahres 1884 gab er die Wohnung der Familie in Berlin auf und zog nach Renthendorf in das Haus seiner Mutter, das er gemeinsam mit Bruder Reinhold geerbt hatte. Wenige Monate später, am 11. November,  erlag Brehm in Unter-Renthendorf einem Schlaganfall. Doch sein "Illustriertes Tierleben" ist bis heute ein Klassiker unter den Tierlexika.


Alfred Edmund Brehm kann mit Fug und Recht als populärster und wirkungsvollster Zoologe Deutschlands der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts genannt werden. Alfred Brehms bis heute bekanntes Werk "Brehms Thierleben" erschien in 10 Bänden von 1876 bis 1878. Doch schon die 1. Auflage von 1865 bis 1869 in 6 Bänden machte ihn weit über die Landesgrenzen bekannt. Und die erste ausländische Übersetzung war bereits 1865 eine russische. Schon 1874–1876 waren alle 6 Bände der I. Auflage ins Russische übersetzt. Kein Wunder, dass Alfred Brehm in Russland wohlbekannt war und ist.

   

Lebenslauf in Daten

2. Februar  1829 Alfred Brehm wird im thüringischen Renthendorf geboren
1847 – 1851 Forschungsreisen nach Afrika,Spanien, Skandinavien und Sibirien
1851 Rückkehr nach Deutschland
1855 Erlangung des Doctorgrades in Naturwisenschaften
1858 Arbeit als freier Schriftsteller
1860 Fahrt nach Skandinavien
1861 Hochzeit
1863  Als Direktor des Zoologischen Gartens in Hamburg berufen
1864 – 1869 Brehms "Illustriertes Tierleben" erscheint in sechs Bänden
1869 Brehm gründet das Berliner Aquarium
1869 - 1875 Brehm wird Leiter des Berliner Aquariums
1876 Expedition nach Russland
1878 Tod der Frau
1884 Tod des jüngsten Sohnes; Rückzug aus Berlin nach Renthendorf
11. November 1884 Brehm stirbt in Renthendorf an einem Schlaganfall

         

 

 
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